Zeitzeugin im Unterricht

Eine eindrucksvolle Gesprächsrunde mit einer Zeitzeuginunter dem Motto: Nie wieder ist jetzt!

Am vergangenen Mittwoch, dem 10.12.25, erlebten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8a sowie10b zweiaußergewöhnliche Unterrichtsstunden, die weit über den regulären Lehrplan hinausgingen. Auch Eltern waren zu dieserVeranstaltung anwesend. Zu Gast war Frau Fischer, eine Zeitzeugin, die ihre Kindheit und Jugend während der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre in Weimar erlebt hat. Ihre Erzählungen öffneten den Jugendlichen ein Fenster in eine Vergangenheit, die in Geschichtsbüchern oft abstrakt wirkt, im persönlichen Kontakt jedoch eine eindringliche Tiefe erhält.

Schon zu Beginn der Gesprächsrunde war spürbar, wie aufmerksam und respektvoll die Schülerinnen und Schüler der Zeitzeugin begegneten. Sie berichtete von ihrem Alltag als Kind und junges Mädchen, von Angst und Unsicherheit, aber auch von Momenten der Hoffnung. Besonders bewegend waren ihre Schilderungen über Entbehrungen sowie über die schwierigen Entscheidungen, die Menschen damals treffen mussten.

Die Jugendlichen hörten nicht nur zu, sondern stellten zahlreiche Fragen – offen, interessiert und oft sehr persönlich. Wie fühlt es sich an, wenn Freiheit plötzlich eingeschränkt wird? Was gab ihre Kraft? Hatte sie Angst, ihre Meinung zu sagen? Wie gingen Besatzer mit der Bevölkerung um? Frau Fischer antwortete ehrlich und ohne Beschönigung. Mehrmals wurde es im Raum ganz still, wenn sie von Situationen erzählte, die sie bis heute begleiten.

Für viele Schülerinnen und Schüler war es das erste Mal, dass sie einer Person gegenüberstanden, die historische Ereignisse nicht aus Büchern kennt, sondern selbst erlebt hat. Diese direkte Begegnung machte Geschichte greifbar und emotional erfahrbar. Mehrere Jugendliche äußerten im Anschluss, dass sie nun besser verstehen, warum demokratische Werte, Zivilcourage und Menschlichkeit nicht selbstverständlich sind.

Die Klassen dankten der Zeitzeugin dafür, dass sie trotz der Schwere ihrer Erinnerungen den Mut gefunden hatte, diese mit ihnen zu teilen. Sie betonten, wie wertvoll es sei, dass sie ihre Geschichte weitergibt. Sichtlich bewegt ergriffen einige von ihnen das Wort und machten deutlich, wie sehr sie die Offenheit und den Mut der Erzählerin beeindruckt hatten.

Die Zeitzeugin selbst bedankte sich am Ende sehr herzlich für das Interesse und die Offenheit der Jugendlichen. Sie betonte, wie wichtig es sei, dass junge Menschen Fragen stellen und Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

Die Gesprächsrunde hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Sie war nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Appell an die Gegenwart: Erinnern bedeutet handeln – und jede Generation sollte ihren Teil dazu beitragen.

(Text und Bilder: Frau I. Müller, Lehrerin am Salza-Gymnasium)